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NachrichtenKamerun

Kamerun: Β«Ich zΓ€hle in jeder Situation auf GottΒ»

Der verheerende Einfluss von Boko Haram und anderen islamischen Extremisten ist nicht nur im Nordosten Nigerias zu spΓΌren. Die Gewalt greift auch nach Kamerun, Tschad und Niger ΓΌber. Fadi Zara lebt in Kamerun, nahe der nigerianischen Grenze.

Β«Im Jahr 2013 lebte ich in Barawa, als Boko Haram unser Dorf angriff. Sie kamen in der Nacht. Sie haben viele Menschen getΓΆtet und unsere Kirchen niedergebranntΒ», berichtet Fadi Zara. FΓΌr die junge Frau begann ein langes Exil. Von Vreket in Kamerun muss sie nach einem weiteren Angriff nach Laoudzaf fliehen. Β«Sie haben uns auch dort angegriffen und viele Menschen entfΓΌhrt, darunter auch Frauen.Β»

Immer wieder vertrieben

Im Oktober 2015 kommen Fadi und ihre Familie in Zeleved an. Dort werden sie mehrere Jahre verbringen.

Ihr Leben dort gleicht dem von Tausenden von Menschen, die versuchen, in den Grenzgebieten zu ΓΌberleben: TagsΓΌber arbeiten sie in und um ihre Behausungen herum. Vor Sonnenuntergang ziehen sie sich in die nahen Berge zurΓΌck, um dort zu ΓΌbernachten, aus Angst vor einem weiteren Angriff von Boko Haram.

Ein solches Leben war einfach nicht tragbar. Nach einem weiteren gewalttΓ€tigen Angriff hatten Fadi und ihre Familie genug. Sie packten ihre wenigen Habseligkeiten zusammen und flohen erneut, diesmal in die Stadt Koza.

Vusa: Eine schmerzhafte Wunde

Sie lebt nun seit Jahren als Vertriebene. Die anhaltende Gewalt von Boko Haram hat eine zusΓ€tzliche Narbe in Fadis Herz hinterlassen: 2015 wurde ihre jΓΌngere Schwester entfΓΌhrt. Β«Sie hiess Vusa und war 14 Jahre alt, als sie gekidnappt wurde. Sie ging mit ihren Freunden auf den Feldern arbeiten, aber sie kam nicht mit ihnen zurΓΌck. Einige Leute sagen, dass sie nicht mehr lebt, dass sie sie getΓΆtet haben. Andere sagen, dass sie eine junge Frau nicht einfach so tΓΆten kΓΆnnen. Sie sei vielleicht zwangsverheiratet worden. Wir wissen nicht, was wir sagen sollen.Β»

Fadi, allein, aber am Leben!

Als Fadis Mutter diese Nachricht hΓΆrte, wusste sie nicht weiter. Β«Sie dachte immer wieder ΓΌber die schrecklichen Ereignisse nach, die sie miterlebt hatte. Dann bekam sie Bluthochdruck und starb.Β»

Fadi hat ΓΌberlebt, aber sie ist nicht unversehrt. Β«Ich kann nicht schlafen. Viele Dinge kommen zurΓΌck, wie in einer Vision oder einem Traum. Und jedes Mal weine ich, weil ich nun Waise bin. Mein Vater ist tot, Boko Haram hat meine Schwester entfΓΌhrt, und meine Mutter ist auch tot. Ich bin allein.Β»

Die Hilfe von Open Doors

2021 leistete Open Doors Nothilfe fΓΌr 449 christliche FamilienΒ in Koza, im Hohen Norden Kameruns, unter ihnen auch Fadi. Β«Ich habe Reis, Fisch und einen Eimer, Seife und Mais, eine Matte, ein Tuch und PflanzenΓΆl erhaltenΒ», zΓ€hlt die junge Frau auf. Sie ist dankbar fΓΌr diese GΓΌter, denn es ist sehr schwierig, sich im Exil selbst zu versorgen. Β«Es ist zwei Jahre her, seit ich so ein neues StΓΌck Stoff bekommen habe. Aber ihr habt uns heute beschenkt. Ich bin sehr, sehr glΓΌcklich.Β»

Fadi fehlt es an allem, aber sie richtet ihre Bitte an Gott: Β«Ich brauche ihn, damit er in jeder Situation bei mir bleibt, damit ich am Ende des Tages sein Gesicht sehen kann.Β»