Open Doors Schweiz

3 minuten

NachrichtenKamerun

Kamerun: Gesichter der wachsenden Unsicherheit

Auf ihrer Reise nach Kamerun traf unser Team von Schweizer Frauen Christinnen aus dem Norden des Landes. Unter ihnen Amina* und Rebecca*, die schwer verfolgt werden. Ihr Zeugnis zeigt auch die UnfΓ€higkeit einer Regierung, ihre BevΓΆlkerung vor islamistischen Angriffen zu schΓΌtzen.

Amina ist 18 Jahre alt. In einem Alter, in dem andere ihre Ausbildung abschliessen, lebt diese Christin mit muslimischem Hintergrund versteckt bei einer unserer Partnerinnen, damit ihre Familie sie nicht finden kann. Denn als ihre Mutter die Bibel fand, in der sie seit einigen Monaten nachts las, wurde sie von Familienmitgliedern geschlagen und mit all ihren Sachen vor die TΓΌr gesetzt.

Von der Familie verstossen

Sie haben auch ihre Geburtsurkunde gestohlen, was der jungen Frau kΓΌnftige BehΓΆrdengΓ€nge sehr erschwert. Amina wird telefonisch bedrΓ€ngt, ihren neuen Glauben an Jesus aufzugeben. Sie hofft und betet, dass sich die Beziehung zu ihrer Mutter beruhigt. Die junge Frau leidet darunter, dass ihre Mutter in der Nachbarschaft ΓΌber sie sagt: Β«Solange sie nicht begraben ist, haben die Christen sie nicht gewonnen.Β»

Im August grΓΌnt die Landschaft in Kamerun. Es ist Regenzeit und die Felder mit Mais, Hirse oder ErdnΓΌssen liegen rund um die DΓΆrfer im Norden des Landes. Die meisten christlichen Familien leben dort von ihren Ernten, die ihnen als Tauschmittel dienen, wenn die Temperaturen auf 45 Grad steigen und das Wasser knapper wird.

Vor ihren Augen getΓΆtet

So waren Rebecca und ihr Mann vor einiger Zeit mit anderen Christen aus ihrem Dorf auf dem RΓΌckweg vom Markt, als sie von Boko Haram angegriffen wurden. Die KΓ€mpfer kamen aus dem Busch und schossen auf sie. Beim dritten Schuss brach Rebeccas Mann tΓΆdlich verletzt zusammen. Sie selbst blieb nur am Leben, weil sie ohnmΓ€chtig wurde.

Ernte – aber nicht fΓΌr alle

Heute lebt sie als GeflΓΌchtete in der Stadt und muss allein neun Kinder versorgen; sie kann nicht mehr auf ihre Felder zurΓΌckkehren, weil es zu gefΓ€hrlich geworden ist. Β«Warum hat Gott eine solche Situation zugelassen?Β», fragt sie und erklΓ€rt, dass die NΓ€harbeiten, die sie verrichtet, kaum ausreichen, um Wasser und Lebensmittel zu kaufen und die drei Zimmer zu bezahlen, die sie fΓΌr ihre Familie bei Bekannten mietet.

Verwundbar durch Angriffe

Die zunehmende Verfolgung im Norden hat noch weiter reichende Auswirkungen als die Traumata, die durch die Gewalt verursacht werden. Die betroffenen Christen werden mit einem Schlag Γ€usserst verwundbar und verlieren ihr Zuhause, ihr Sozialleben, ihre Felder und damit ihr Einkommen, wenn sie nach einem Angriff zur Flucht gezwungen sind, um zu ΓΌberleben.

Die Regierung verharmlost

Im Γ€ussersten Norden des Landes sind ganze Landstriche entvΓΆlkert, vor allem nahe der Grenze zu Nigeria. Doch die kamerunische Regierung spielt die Situation herunter und wiederholt, dass ihre Armee die Lage unter Kontrolle hat. Sie mΓΆchte ihren Status als Β«sicheres LandΒ» in Afrika beibehalten und nicht mit ihren instabilen Nachbarn wie Nigeria oder der Zentralafrikanischen Republik in Verbindung gebracht werden. Dennoch kam es dort in der Woche dieser Reise zu zwei Angriffen von Boko Haram, bei denen jeweils ein Mensch ums Leben kam.