
3 minuten
Seit zwanzig Jahren werden die wenigen Kirchen, die in Eritrea noch geduldet werden, streng kontrolliert. Gott allein weiss, wie viele GlΓ€ubige es im Land gibt, wie viele sich heimlich zum Lobpreis und Bibelstudium versammeln, und wie viele derzeit im grausamen GefΓ€ngnissystem inhaftiert sind. Pastor Gideon* hat all diese harten Jahre ΓΌberstanden und erzΓ€hlt uns, wie er in Eritrea ΓΌberlebt hat.
Pastor Gideon erinnert sich an den Tag im Mai 2002, als seine Kirche geschlossen wurde. Die Regierung hatte beschlossen, dass nur der sunnitische Islam, die katholische Kirche, die evangelisch-lutherische Kirche und die orthodoxe Kirche als Β«konformeΒ» Religionen galten.
Von diesem Zeitpunkt an war das Leben der Mitglieder seiner Gemeinschaft eine Folge von Inhaftierungen und Freilassungen. Β«Manchmal bleiben sie ein Jahr im GefΓ€ngnis, manchmal einen MonatΒ», erklΓ€rt er.
Viele hochrangige Kirchenleiter sind jedoch schon viel lΓ€nger inhaftiert, manche sogar seit ΓΌber zwanzig Jahren. Eritrea verfΓΌgt ΓΌber ein ausgedehntes Netz formeller und informeller GefΓ€ngnisse. Β«Die Haftbedingungen in Asmara, wo viele Christen inhaftiert sind, sind extrem schlecht. Manche Zellen sind so klein, dass man sich nicht bewegen kann, und sie haben in der Regel keine FensterΒ», berichtet Pastor Gideon aus eigener Erfahrung. Er selbst verbrachte sechseinhalb Jahre im GefΓ€ngnis, davon mehr als drei Jahre in Asmara, der Hauptstadt von Eritrea. Manchmal wurde er in einem grossen Raum mit anderen Gefangenen festgehalten. Manchmal wurde er in einer kleinen Zelle isoliert, die einen Meter breit und zweit Meter lang war.
Keine Methode wurde ausgeschlossen, um Christen dazu zu bringen, Jesus zu verleugnen, um die Freiheit zu erlangen. Sie wurden sowohl psychisch als auch physisch gefoltert.
Β«Wir wurden wie Sklaven behandelt. Das Essen war sehr knapp und es fehlte stΓ€ndig an Wasser. In den ersten Monaten nach unserer Inhaftierung wurden wir brutal geschlagen und verhΓΆrt. Ausserdem mussten wir Zwangsarbeit leisten. Jahrelang musste ich Holz und Steine sammeln und alles tun, was sie mir befahlenΒ», erinnert er sich. Das Schlimmste war jedoch die Langeweile fΓΌr Pastor Gideon. Β«Sie geben dir nichts zu lesen, es gibt kein Radio, du sitzt einfach nur da. Man kann leicht psychisch erkranken. Der Schmerz, den man innerlich empfindet, ist traumatisierend.Β»
Gideon gibt zu, dass die Versuchung, Christus zu verleugnen, zeitweise sehr real war: Β«Mit Gottes Hilfe hielten wir durch und sagten nein. Unsere Ablehnung verlΓ€ngerte gewissermassen unsere Haft. HΓ€tten wir ja gesagt, wΓ€ren wir frΓΌher freigelassen worden.Β»
Selbst unter diesen UmstΓ€nden war Pastor Gideon bereit, das Evangelium mit seinen Mitgefangenen und sogar mit den WΓ€rtern zu teilen, von denen einige Christen wurden. Er sah auch wie HΓ€ftlinge, die nicht aus religiΓΆsen GrΓΌnden inhaftiert waren, im GefΓ€ngnis zu Jesus fanden. Gott erhΓΆrte ihre Gebete, als eine Bibel in das GefΓ€ngnis geschmuggelt wurde. Sie versteckten sich abwechslungsweise, um darin zu lesen.
Heute ist Pastor Gideon frei und sein Dienst ist gewachsen. Β«Ich weiss, dass ich jederzeit wieder ins GefΓ€ngnis kommen kann. Wenn wir uns mit anderen Christen treffen, tun wir das im Verborgenen. Und wenn sich jemand zu Christus bekennt, warnen wir ihn, dass diese Entscheidung mit Verfolgung einhergehen kann.Β»