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Der historische Kirchenkomplex der St.-Peter-Kirche, der Γ€ltesten protestantischen Kirche im Iran, ist vollstΓ€ndig gerΓ€umt. Nachdem der letzte Bewohner das GelΓ€nde am 12. Juli verlassen hatte, wΓ€chst nun die Sorge, dass der Komplex abgerissen werden kΓΆnnte.
UN-Sonderberichterstatter verurteilten die Beschlagnahmung des GelΓ€ndes der St.-Peter-Kirche in Teheran sowie die Vertreibung der 27 dort lebenden AngehΓΆrigen der anerkannten armenischen und assyrischen christlichen Minderheiten. Zwanzig Familien, die grΓΆsstenteils seit vielen Jahren auf dem KirchengelΓ€nde lebten, haben lediglich zwei Wochen Zeit erhalten, ihre HΓ€user zu verlassen. Den Kirchenverantwortlichen ist fΓΌr den Fall einer Weigerung mit Festnahme gedroht worden.
Grundlage fΓΌr das Vorgehen der BehΓΆrden ist ein Urteil eines Revolutionsgerichts aus dem Jahr 1998. Darin wurde angeordnet, dass das rund vier Hektar grosse KirchengelΓ€nde mit zwei Schulen und Dutzenden WohnhΓ€usern an die staatlich kontrollierte Organisation Β«Execution of Imam Khomeiniβs OrderΒ» (EIKO) ΓΌbertragen werden soll. Nach Angaben eines ehemaligen Pastors der Kirche wurde die Entscheidung nicht begrΓΌndet.
Der Rat der evangelischen Kirchen des Iran, der fΓΌr die St.-Peter-Kirche zustΓ€ndig ist, erfuhr nach eigenen Angaben erst 2008 zufΓ€llig von dem Urteil und konnte es bis dahin nicht anfechten. Seit 1980 verweigert die Islamische Republik dem Rat jedoch wiederholt die VerlΓ€ngerung seiner Registrierung. Auf Anweisung des BΓΌros des Obersten FΓΌhrers wurde das Verfahren ΓΌber die Eigentumsrechte schliesslich eingestellt, wodurch der Kirche faktisch jeder Rechtsweg versperrt blieb.
Am 16. Juni wurden die zwΓΆlf armenischen und acht assyrischen Familien, die auf dem KirchengelΓ€nde lebten, aufgefordert, ihre HΓ€user innerhalb von zwei Wochen zu verlassen. Die Gemeindemitglieder wurden zudem angewiesen, sich neue Orte fΓΌr ihre Gottesdienste zu suchen.
Die meisten der betroffenen Familien leben seit vielen Jahren auf dem KirchengelΓ€nde und verfΓΌgen ΓΌber ein geringes Einkommen. Ohne die UnterstΓΌtzung der Kirche hΓ€tten sie Β«keine Chance zu ΓΌberlebenΒ», sagte der ehemalige Pastor Rev. Sargez Benyamin.
Die evangelische St.-Peter-Kirche wurde 1876 gegrΓΌndet, nachdem der damalige Schah β Naser al-Din Schah Qajar β das GrundstΓΌck amerikanischen Missionaren ΓΌberlassen hatte. Das KirchengebΓ€ude und das GelΓ€nde sind fΓΌr die protestantische Gemeinde von unschΓ€tzbarer historischer Bedeutung. Aufgrund seiner zentralen Lage in Teheran besitzt das Areal zudem einen erheblichen wirtschaftlichen Wert.
Die staatlich kontrollierte Organisation Β«Execution of Imam Khomeini's OrderΒ» (EIKO), die das GelΓ€nde der St.-Peter-Kirche ΓΌbernehmen soll, war bereits fΓΌr die Enteignung der assyrisch-presbyterianischen Kirche in Mashhad verantwortlich, die im vergangenen Monat ohne Vorwarnung abgerissen wurde. Auch die assyrisch-presbyterianische Kirche in Tabriz, die Β«Assemblies of GodΒ»-Kirche in Gorgan und ein christliches Tagungszentrum in Karaj wurden enteignet.
Der Druck auf die St.-Peter-Kirche gilt als jΓΌngstes Beispiel fΓΌr die schrittweise EinschrΓ€nkung des protestantischen Christentums seit der GrΓΌndung der Islamischen Republik im Jahr 1979. Bereits vor mehr als einem Jahrzehnt musste die Gemeinde ihre Gottesdienste in persischer Sprache einstellen, um christlichen Konvertiten den Zugang zu verwehren.
Die iranische NobelpreistrΓ€gerin und MenschenrechtsanwΓ€ltin Shirin Ebadi sieht in dem Vorgehen gegen die St.-Peter-Kirche eine Fortsetzung der langjΓ€hrigen Repression gegen Christen im Iran.
Β«Das ist dieselbe Logik der Enteignung: ZunΓ€chst werden den BΓΌrgern ihre offensichtlichen Rechte vorenthalten, dann wird ihnen die AusΓΌbung ihres Glaubens verboten, anschliessend werden ihnen ihre HΓ€user und Kirchen weggenommen, und schliesslich werden sie aus ihren HΓ€usern und von ihren historischen StΓ€tten vertrieben.Β»
Die Entwicklungen rund um die St.-Peter-Kirche stehen exemplarisch fΓΌr den wachsenden Druck, unter dem protestantische Gemeinden und andere christliche Minderheiten im Iran stehen. Kirchen und Menschenrechtsorganisationen rufen dazu auf, fΓΌr die betroffenen Familien, die Gemeinde und den Schutz des christlichen Erbes im Land zu beten.